Sachsen nachhaltig entwickeln!

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Regionalveranstaltungen Dresden | Sachsen nachhaltig entwickeln!



Die Region Dresden verantwortlich gestalten


Regionalkongress am 7.11.2016 in Dresden

Dieter Füsslein, Sächsische Hans-Carl-von-Carlowitz-Gesellschaft
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Dieter Füsslein, Sächsische Hans-Carl-von-Carlowitz-Gesellschaft

Julia Leuterer, Lokale Agenda 21 für Dresden
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Julia Leuterer, Lokale Agenda 21 für Dresden

Eva Jaehnigen, Landeshauptstadt Dresden
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Eva Jaehnigen, Landeshauptstadt Dresden

Dieter Füsslein, Vorsitzender der Sächsischen Hans-Carl-von-Carlowitz-Gesellschaft e. V. erläuterte die Ziele der Veranstaltungsreihe: Erfahrungsaustausch und Vernetzung der lokalen Akteure und Übermittlung von Anregungen zur Fortschreibung der Sächsischen Nachhaltigkeitsstrategie. Der Beschluss der gloablen Nachhaltigkeitsziele zeige, dass die Carlowitzsche Idee inzwischen zum Welterbe geworden ist.

Julia Leuterer, Geschäftsführerin des Vereins Lokale Agenda 21 für Dresden unterstrich als Mitveranstalterin der Tagung in ihrem Grußwort, dass zur Verwirklichung einer nachhaltigen Entwicklung eine engere Zusammenarbeit zwischen Kommunal- und Landespolitik erfolgen müsse.

Die Beigeordnete für Umwelt und Kommunalwirtschaft der Stadt Dresden, Eva Jähnigen wies auf die UN-Habitat-Konferenz und die besondere Verantwortung der Großstädte für eine nachhaltge Entwicklung hin. Sie erwarte von der Kongressreihe konkrete Anregungen für die eigenen kommunale Arbeit. Eine Chance im Bereich der Energiewende sei, dass Sachsen ein "Land der Stadtwerke" sei.

Josef Ahlke, Stadt Erfurt und RENN-Mitte
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Josef Ahlke, Stadt Erfurt und RENN-Mitte

Josef Ahlke von der Regionalen Netzstelle Nachhaltigkeitsstrategien (RENN-Mitte) aus Erfurt nahm Bezug auf die Globalen Nachhaltigkeitsziele der UNO (SDGs) und machte beispielhaft deutlich, dass alle Ziele einen lokalen Bezug besitzen und es sich lohnt, dieses Zielsystem für die lokale Arbeit zu nutzen.
Dabei wies er auch auf die Widersprüche innerhalb der SDGs hin und interpretierte dies als eine Momentaufnahme im globalen gesellschaftlichen Wandel. Um den Impuls aus diesen Zielen künftig stärker aufgreifen zu können, bietet die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) Unterstützung an, z. B. mit dem Programm "Global nachhaltige Kommune" , was in Thüringen bereits praktiziert wird. Dies könne zur Einführung eines zyklischen Umsetzungsprozesses kommunaler Nachhaltigkeitsstrategien genutzt werden. Zur Beratung bot er auch die durch den Nachhhaltigkeitsrat der Bundesregierung neu geschaffene Newtzwerkstelle RENN-Mitte an.

Valentin Thurn, Taste of Heimat e.V. und Ernährungsrat Köln
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Valentin Thurn, Taste of Heimat e.V. und Ernährungsrat Köln

Der Filmemacher Valentin Thurn aus Köln (Film: "10 Milliarden") präsentierte die Idee der Ernährungsräte, die - aus den USA kommend - bereits in mehreren deutschen Städten übernommen wurde. Durch die Zusammenarbeit von Erzeugern, Konsumenten, Politik und Verwaltung soll Ernährungspolitik wieder auf die kommunale Ebene geholt werden. Im Kölner Ernährungsrat werden die Themen Direktvermarktung, Lebensmittelproduktion in der Stadt, Bildung sowie Veranstaltungen/Events in je einer Gruppe bearbeitet.

Sven Winkler, Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften e.V.
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Sven Winkler, Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften e.V.

Sven Winkler vom Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften stellte eine Untersuchung zur Bezahlbarkeit des Wohnens in Sachsen vor. Dabei machte er deutlich, wie unterschiedlich sich die Frage der Bezahlbarkeit in Abhängigkeit der jeweiligen Wohn- und Einkommenssituations darstellt. Nur ein kleiner Teil der Haushalte sei in der Lage Neubaumieten von 9 Euro/m² und mehr zu bezahlen. Auch mit einer Wohnungsbauförderung, die diese Mieten absenke, werde die eigentliche Zielgruppe nicht erreicht. Vielmehr sei es notwendig, preiswerten Wohnungsbestand auch außerhalb der inneren Stadtgebiete der großen Städte durch regionale Kooperation und intelligente Verkehrskonzepte attraktiver zu machen.

Christoph Anders, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung
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Christoph Anders, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung

Christoph Anders von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung erläuterte Bedingungen für eine Verbesserung von Bürgerbeteiligungsangeboten. Zentral seien die Fragen, wer zu beteiligen ist, wie die entsprechenden Menschen erreicht werden und wie die Resultate der Beteiligung für alle Beteiligten sichtbar gemacht werden. Die Motvation zur Beteiligung hängt entscheidend davon ab, welche Nutzen daraus für die Beteiligten zu erwarten ist. Man darf sich nicht damit zufrieden geben, nur ausgewählte Milieus und Personen mit viel freier Zeit zu erreichen.

Julia Schindler, Aktion Zivilcourage e.V.
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Julia Schindler, Aktion Zivilcourage e.V.

Julia Schindler vom Verein Aktion Zivilcourage aus Pirna beschäftigte sich mit der Frage, inwieweit Geflüchtete ein Grund oder Anlass für die Spaltung der Gesellschaft sind. Zur Integration von Geflüchteten zeigte sie Herausforderungen und Instrumente auf und warb für individuelle Handlungsstrategien für die einzelnen Kommunen.

Kleingruppenworkshop zum Thema Ernährung und regionale LandwirtschaftKleingruppenworkshop zum Thema Ernährung und regionale Landwirtschaft

In der Themengruppe zu Landwirtschaft und Ernährung wurde diskutiert, über welche Wege Stadt und Land zusammen kommen können: über Direktvermarktung oder auch Transparenz der Lebensmittelproduktion - um die Kreisläufe zu entdecken und entsprechend zu bewirtschaften. Eine andere Idee ist, eigene Flächen der Stadt für urbane Landwirtschaft zu verpachten. An die Adresse des Freistaates wurden die Forderungen gestellt, die eigene Beschaffung für öffentliche Kantinen z. B. an Kriterien der Nachhaltigkeit und generell die eigenen Richtlinien zur Beschaffung und zur (land-) wirtschaftlichen Förderung daran auszurichten.

Kleingruppenworkshop zum Thema BürgerbeteiligungKleingruppenworkshop zum Thema Bürgerbeteiligung

In der Diskussion zum Themenbereich Bürgerbeteiligung wurde eine qualitative Weiterentwicklung von Beteiligungsverfahren gefordert. Bürger aus schwerer erreichbaren Milieus benötigen andere Formen der Ansprache, als viele bisher Beteiligten. Zur Stärkung der repräsentativen Demokratie sollte auf kommunaler Ebene die Einbeziehung von sachkundigen Bürgern oder die Bildung von Beiräten erwogen werden. Als konkreten Vorschlag für den Freistaat formulierte die Runde eine qualitativ gute Bürgerbeteiligung bei der Fortschreibung der Sächsischen Nachhaltigkeitsstrategie.

In der Workshopgruppe zum Wohnen wurde der Blick auch in die Region gerichtet. Zur Entlastung des Wohnungsmarktes in der Stadt Dresden sollten auch die kleineren Städte in der Region als Wohnstandort attraktiver gemacht werden. Voraussetzung hierfür ist das Aufzeigen der spezifischen Qualitäten dieser Orte, insbesondere für jüngere Erwachsene, die als Initiator neuer Entwicklungen dienen können. Gleichzeitig ist ein qualitativ guter ÖPNV mit dichter Taktfolge erforderlich, um eine enge Verzahnung mit der Stadt Dresden als Arbeitsort zu stärken. Daneben sollten Projekte unterstützt werden, die ein Wohnen im hohen Alter in der eigenen Wohnung ermöglichen. Dabei könnten z.B. auch Studierende als pflegende Untermieter in größere Wohnungen Hochbetagter einziehen, womit auch der genutzte Wohnraum besser ausgelastet würde.

In der Diskussion zur Integration von Geflüchteten wurde darauf verwiesen, das dies ein Experimentierfeld sei. Dementsprechend sollten auch staatliche Förderungen in den Bereichen Wohnen, Arbeit und Bildung experimentelle Projekte ermöglichen. Es wurde aber betont, dass die Integration von Geflüchteten oft ähnliche Anforderungen stellt, wie die Unterstützung anderer sozial Benachteiligter auch. Daher sollten die Handlungsansätze nicht nach dem Kriterium Einheimischer oder Zugewanderter getrennt werden.

Abschlussdisskusion der Workshopergebnisse im Fishbowl-FormatAbschlussdisskusion der Workshopergebnisse im Fishbowl-Format

Josef Ahlke, RENN-Mitte (links), Ralf Elsässer, Moderator (rechts)
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Josef Ahlke, RENN-Mitte (links), Ralf Elsässer, Moderator (rechts)

In der abschließenden Diskussionsrunde wurden die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen ausgetauscht. Bund und Land sollten ernsthaft auf die Akteure auf der lokalen Ebene hören und die vertikale Integration ernst nehmen. Josef Ahlke empfahl interessante Buchtitel, so z.B. „Der Umzug der Menschheit: Die transformative Kraft der Städte“ vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) und „Ökoroutine - Damit wir tun, was wir für richtig halten“ von Michael Kopatz.

In der Diskussion wurden unter anderem auch die Empfehlungen an die Landesregierung zusammengefasst:
  • Fortschreibung der sächsischen Nachhaltigkeitsstrategie unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft vor Ort
  • Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Kommunal- und Landespolitik – vertikale Integration bei der Umsetzung der sächsischen Nachhaltigkeitsstrategie
  • Fördermittel an Nachhaltigkeitskriterien binden
  • Verbesserung der verkehrlichen Vernetzung von großen und kleinen Städten, um Wohnungsangebot und -nachfrage auszugleichen, auch ohne Neubau
  • Experimentierklausel für Förderrichtlinien zum Thema Wohnen, Arbeit und Bildung, um Angebote für Geflüchtete und deutsche Bedürftige gleichermaßen zu entwickeln
  • nachhaltiger Konsum muss durch den Freistaat gefördert werden und in die Nachhaltigkeitsstrategie aufgenommen werden
  • eigene Beschaffung bzgl. einer nachhaltigen Ernährung prüfen
  • Eröffnung von vielfältigeren Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung in der Sächsischen Gemeindeordnung und Senkung von Schwellenwerten für direkte Demokratie

Fotos: Christoph Boosen

 
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