Sachsen nachhaltig entwickeln!

Fachlich-politische Plattform zu Praxisbeispielen und Strategien [www.Sachsen-Nachhaltig.de]



Workshop Innenstadtentwicklung von Klein- und Mittelstädten


Workshop Selbstbestimmt und nachhaltig leben in einer modernen, aber alternden Gesellschaft


Workshop Stadtumbau und nachhaltige Siedlungsentwicklung unter den Bedingungen der Schrumpfung


Workshop Erlebbare Flüsse - auch mit Hochwasser- und Naturschutz


 


Nachhaltigkeitskonferenz Riesa 2017 | Sachsen nachhaltig entwickeln!



Chancen für Klein- und Mittelstädte auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung


Regionalkogress am 31. August 2017 in Riesa



Marco Müller, Oberbürgermeister der Stadt Riesa
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Marco Müller, Oberbürgermeister der Stadt Riesa

Mit der Konferenz wurde der Fokus auf die Herausforderungen und Chancen für einen nachhaltige Entwicklung von Klein- und Mittelstädten gerichtet. Oberbürgermeister Marco Müller verwies in seinem Grußwort darauf, dass die Stadt trotzt eines sich stabilisierenden Wanderungssaldos wie die meisten Städte in Sachsen von einem Defizit an Geburten und einem steigenden Altersdurchschnitt geprägt ist. Der Freistaat sollte diese Städte in ihrer Entwicklung wirksam unterstützen, damit attraktive Lebensbedingen für alle Menschen gesichert bleiben.

Henryk Gutt vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft erläuterte den Stand der Fortschreibung der Sächsischen Nachhaltigkeitsstrategie und signalisierte großes Interesse an den Ergebnissen der Konferenzreihe für die Berücksichtigung beim Fortschreibungsprozess.

Hardo Kendschek, Leipzig
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Hardo Kendschek, Leipzig

Für das Thema Innenstadtentwicklung von Klein- und Mittelstädten führte Hardo Kendschek aus Leipzig mit einem Impulsreferat ein. Er machte deutlich, dass Innenstädte nicht nur ein Wirtschaftsraum sind , sondern ebenso auch ein Lebensraum und ein Kommunikationsraum. Bei der Entwicklung von Innenstädten müssen alle drei Faktoren berücksichtigt werden. Der Einzelhandel verliert dabei zunehmend an Bedeutung, zumal er sich neben der Konkurrenz von großflächigem Einzelhandel an den Stadträndern auch dem permanent wachsenden Online-Handel erwehren muss. Innenstädte, die gut funktionieren, zeichnen sich vor allem durch eine hohe Aufenthaltsqualität aus.

Im anschließenden Workshop haben die Teilnehmenden vor dem Hintergrund der konkreten Situation der Innenstadt in Riesa Ansatzpunkte und Vorschläge gesammelt. Dazu gehörten u.a.:
  • Entwicklung der Fußgängerzone zu einer Erlebnismeile
  • Veranstaltung bzw. Ermöglichung temporärer Kunstaktionen
  • Anregung der Etablierung ergänzender Funktionen zu bestehenden Geschäften (z.B. Kreativangebote)
  • Organisation eines Wochenmarktes
  • Leitsystem zur Innenstadt für Besucher von außen (z.B. aus Richtung Bahnhof) verbessern
  • Parken am Innenstadtrand für eine längere Zeit erlauben (bisher teilweise nur eine Stunde)
  • Werben für das Wohnen in der Innenstadt

Insbesondere die Etablierung eines Managements zur Innenstadtentwicklung wurde als Voraussetzung für die Umsetzung vieler weiterer Punkte besonders hervorgehoben, da in der Kernverwaltung keine ausreichenden zeitlichen Kapazitäten vorhanden sind, um die Zusammenarbeit mit den vielen unterschiedlichen lokalen Akteuren dauerhaft zu organisieren.

Unter dem Titel Selbstbestimmt und nachhaltig leben in einer modernen aber alternden Gesellschaft gab Jana Kirsch, langjährige Quartiersmanagerin in Halle-Neustadt, einen Einblick in ihre Arbeitsstrategie. Zu den wichtigsten Faktoren für ein langes selbstbestimmtes Wohnen gehören
  • barrierearme Wohnungen in Verbindung mit einer sichergestellten Grundversorgung inklusive medizinischer Versorgung im Stadtteil
  • die Bereitstellung von ausreichend preiswertem Wohnraum, so dass ein Verbleib im gewohnten Stadtteil möglich bleibt sowie
  • die Unterstützung von nachbarschaftlichen Beziehungen, sozialen und kulturelle Angeboten sowie Engagementmöglichkeiten
Dabei spielt die Zusammenarbeit zwischen der Kommune und den Wohnungsmarktaktueren eine entscheidende Rolle. Viele Projekte werden erst durch das persönliche und finanzielle Engagement der Wohnungsbaugesellschaften möglich.

Jana Kirsch (AWO), Quartiersmanagerin Halle-Neustadt
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Jana Kirsch (AWO), Quartiersmanagerin Halle-Neustadt

Workshopmoderator Matthias Schirmer, Büro CivixX, LeipzigWorkshopmoderator Matthias Schirmer, Büro CivixX, Leipzig

Im anschließenden Workshop wurde herausgearbeitet, dass die Kommunen für die vor Ort nötigen Managementaufgaben besser unterstützt werden sollten. Wichtig sind dabei vor allem längerfristige Strukturen, keine kurzfristigen Projekte, um vor Ort Vertrauen und Beziehungen aufbauen zu können. Die größeren Vermieter sollten mehr Dienstleistungen für die Bewohner "aus einer Hand" anbieten und sich stärker für attraktive Lebensbedingungen im jeweiligen Stadtteil engagieren. Die Durchmischug der Wohngebiete mit Bewohnern unterschiedlichen Alters sollte aktiv angeregt werden.

Klaus Schotte, Haus- und Wagenrat Leipzig e.V.
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Klaus Schotte, Haus- und Wagenrat Leipzig e.V.

Ausgehend von der demografischen Entwicklung vielen Klein- und Mittelstädte in Sachsen wurde im Workshop Stadtumbau und nachhaltige Siedlungsentwicklung unter den Bedingungen der Schrumpfung Möglichkeiten aufgezeigt, jüngere Erwachsene als neue Bewohner zu gewinnen.
Klaus Schotte und Roman Grabolle vom Verein Haus- und Wagenrat e.V. in Leipzig berichteten von Projekten mit Wohngruppen, die eigengenutzten Wohnraum erwerben, schrittweise sanieren und dadurch preiswerten Wohnraum dauerhaft sichern.
Voraussetzungen für das Gelinge solcher Ansätze sind u.a.:
die Verfügbarkeit interessanter un- oder untergenutzter Immobilien
die Beratung und Unterstützung junger Bauherrengruppen in der Anfangsphase ihres Projektes, insbesondere die Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Verwaltung, Politik und den Interessenten
die Sichtbarmachung solcher Projekte, um ihre Ausstrahlung für andere Interessenten zu erhöhen.
An den Freistaat Sachsen erging die Empfehlung, speziell für solche Projekte auch Fördermöglichkeiten zu schaffen, die einen langfristigen und schrittweisen Sanierungsprozess mit geringen Eigenmitteln ermöglichen. Dabei sollten auch Jugendprojekte mit Investitionsförderung unterstützt werden können.

Ronny Ludwig, Büro Klemm und Hensen GmbH
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Ronny Ludwig, Büro Klemm und Hensen GmbH

Im Workshop Erlebbare Flüsse - auch mit Hochwasser- und Naturschutz" erläuterte Ronny Ludwig vom Ingeniuerbüro Klemm und Hensen GmbH die Velfalt der zu berücksichtigenden Rahmenbedingungen beim Gewässerbau. Am Beispiel einer Baumaßnahmen an der Mulde im Bereich der Innenstadt von Grimma zeigte er auf, wiee Hochwasserschutz, Naturschutz, Stadtentwicklung und letztlich die Aufenthalts- und Erholungsnutzung für den Menschen miteinander verbunden werden konnten.

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Im anschließenden Wokshop wurde diskutiert, wie es möglich wird, die Erlebbarkeit der Flüsse aus der Perspektive der Stadtbewohner auch bei anderen Projekten stärker zu ermöglichen. Hintergrund waren nicht zuletzt das Potenzial, das die Elbe für die Attraktivität der Innenstadt in Riesa spielen könnte. Es wurde diskutiert, ob es erforderlich ist, sich fortwährend parallel zum Fluss bewegen zu können, oder ob auch ausgewählte Tritte an den Fluss ausreichen. Erlebnispunkte statt Erlebnislinien entlang der Flüsse könnten die Vielfalt der Nutzung und der Natur stärken und zugleich Nutzungs- und Schutzkonflikte minimieren.
Daneben werden aber Flussbegleitende Radwege als Wirtschaftsfaktor betrachtet, die dann erfolgreich sind, wenn die Verbindung von Natur und urbanem Raum interessant und störungsarm ist. Letztlich sind es gerade die Radwege, die naturverträglich und unter Beachtung des Hochwasserschutzes Fluss und Stadt verbinden können.
An das Land wurde der Wunsch adressiert, eine Förderkulisse zu schaffen, die die Abwägung der Interessen zulässt und lernende Projekte ermöglicht. Konzeptionelles Denken quer über die Fachgebiete und Zuständigkeiten sollte aktiv gefordert und gefördert werden.
 
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